Russell schafft Neustart in Baku - Antonelli Fünfter
George Russell hat in Baku seinen ersten Sieg seit drei Monaten gefeiert, den sonst so souveränen Kimi Antonelli distanziert - und damit den erhofften Neustart seiner "verlorenen" Formel-1-Saison geschafft. Russell entschied den Großen Preis von Aserbaidschan im Mercedes für sich, Teamkollege Antonelli wurde nach einem verpatzten Qualifying am Ende Fünfter. Gestartet war der Italiener von Rang 16, die Aufholjagd auf dem schwierigen Stadtkurs war mühsam, zudem halfen ihm zwei Safety Cars.
Russell gewann am Ende eines letztlich turbulenten Rennens vor dem Red-Bull-Duo Max Verstappen und Isack Hadjar. Der WM-Kampf bleibt vorerst dennoch eine deutliche Angelegenheit, Russells Rückstand beträgt noch 66 Punkte - allerdings war das Wochenende in Baku vor allem ein moralischer Sieg. Er fühle sich nach einigen Änderungen endlich wohler in seinem Mercedes, hatte Russell zuvor gesagt, wolle die Saison "auf Null" setzen - und legte am Samstag gleich los. Aufgrund eines nationalen Gedenktages in Aserbaidschan fand das Rennen einen Tag früher statt als gewöhnlich.
Das Ferrari-Duo Charles Leclerc und Lewis Hamilton belegte die Plätze vier und sechs, Nico Hülkenberg verpasste im Audi als Elfter knapp die Punkte.
Für Antonelli, dem seit Wochen eigentlich alles gelungen war, hielt Baku von Beginn an Ärger bereit. Die Hälfte des freien Trainings am Donnerstag verpasste er wegen Problemen an seinem Mercedes, damit fehlten wichtige Übungsrunden auf dem schwierigen Kurs - und das wirkte sich dann auch aufs Qualifying aus: In Kurve eins kam er hart an die Mauer und schied früh aus, es war ein leichter und untypischer Fehler für Antonelli.
Auch für Russell war der Auftakt in Baku ganz anders als die vergangenen Wochen, allerdings im positiven Sinne. Hoch souverän fuhr er zur Pole Position, war in dieser Form großer Favorit für das Rennen und machte sich auf bemerkenswerte Hauptkonkurrenten gefasst. "Ich denke, Verstappen wird eine Gefahr sein, und natürlich kannst du Kimi nicht ausschließen", sagte Russell, die Piloten auf den Startplätzen 8 und 16 also.
Besonders seinen Teamrivalen hatte Russell im Blick, erinnerte im Scherz an dessen Aufholjagd zum Sieg in Italien. "Er ist in Monza von Platz 19 losgefahren, und jetzt ist er auf Platz 16, also sollte er diesmal noch ein paar Runden früher führen" - es stellte sich aber schnell heraus, dass Baku für Antonelli eine völlig andere Herausforderung werden würde.
Nach dem Start verlor er gar einen Platz, Hülkenberg ging vorbei, erst nach vier Runden war Antonelli zurück auf Rang 16. Danach erst begann er, sich langsam durch das Feld zu arbeiten. Erst nach 17 der 51 Runden war er in den Top 10 angekommen, verlor bei den vielen Duellen aber auch jede Menge Zeit auf die Spitze.
Dort fuhr Russell seinen direkten Verfolgern Oscar Piastri im McLaren und Leclerc im Ferrari schnell davon - und er sollte mit Blick auf Verstappen recht behalten. Der Niederländer, in der Quali noch mit technischen Problemen, war zu Beginn schnellster Mann im Feld, nach sieben Runden lag er bereits auf Rang drei hinter Piastri, weiter ging es zunächst aber nicht.
Das Feld schien zur Rennhälfte sortiert, zwei Safety-Car-Phasen brachten allerdings doch noch einmal Bewegung. Die Autos rückten wieder nah aneinander, ein großer Crash nach dem ersten Safety Car und ein Fahrfehler Piastris nach dem zweiten spülten unter anderem Antonelli weiter nach vorne. An der Spitze machte Verstappen am Ende noch einmal Druck auf Russell, kam aber nicht mehr vorbei.
T.Chmielewski--GL