Haftstrafen für drei Ägypter nach Mord an italienischem Studenten in Kairo
Rund zehn Jahre nach der Tötung des italienischen Studenten Giulio Regeni in Ägypten hat ein Gericht in Rom Haftstrafen gegen drei ägyptische Sicherheitsbeamte wegen der Entführung des damals 28-Jährigen verhängt. Die drei Männer wurden in Abwesenheit zu jeweils zehn Jahren Haft verurteilt, von den Mordvorwürfen aber freigesprochen, berichtete ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP am Montag. Einen kompletten Freispruch gab es für einen vierten Angeklagten.
Die Anwältin der Familie forderte nach der Urteilsverkündung, die italienische Regierung müsse die diplomatischen Beziehungen zu Ägypten abbrechen. Die dortigen Behörden "foltern und töten selbst Bürger befreundeter Staaten", erklärte Alessandra Ballerini.
Der Student Regeni, der an der britischen Universität Cambridge promovierte, war am 25. Januar 2016 in Kairo verschwunden. Neun Tage später wurde er am Stadtrand der ägyptischen Hauptstadt tot aufgefunden. Seine Leiche wies schwere Folterspuren auf. Regeni forschte in Kairo zu ägyptischen Gewerkschaften - ein brisantes Thema in dem nordafrikanischen Land. Die italienische Justiz geht davon aus, dass er für einen Spion gehalten und deshalb getötet wurde.
Ein erster Prozess gegen die vier ägyptischen Sicherheitsbeamten, die Regeni nach Erkenntnissen italienischer Ermittler entführt, gefoltert und getötet hatten, war 2021 am ersten Prozesstag eingestellt worden, weil es der Staatsanwaltschaft nicht gelungen war, die Angeklagten offiziell über das Verfahren zu informieren. Später entschied der italienische Kassationsgerichtshof aber, dass ihnen auch in Abwesenheit der Prozess gemacht werden kann.
Die ägyptische Staatsanwaltschaft sprach ihrerseits alle vier Verdächtigen im Dezember 2020 von den Vorwürfen frei und stellte das Verfahren ein.
Der Umgang mit dem Fall Regeni hat immer wieder zu heftigem Streit und diplomatischen Spannungen zwischen Rom und Kairo geführt. Eine Auslieferung der drei Verurteilten ist unwahrscheinlich. Italien könnte nun aber die im Prozess geforderte Zahlung von Schadenersatz in Höhe von zwei Millionen Euro von Ägypten verlangen.
Die italienische Regierung betrachtet Ägypten als wichtigen Partner im Nahen Osten. Anfang des Monats besuchte Außenminister Antonio Tajani Kairo, um die gegenseitigen Handelsbeziehungen auszubauen.
H.Kolodziej--GL