FIFA-Machtkampf: Boykott-Drohung der UEFA wohl vom Tisch
Im andauernden Kampf um die Macht bei der FIFA ist die Boykott-Drohung der Europäischen Fußball-Union (UEFA) für Turniere des Weltverbandes offenbar vom Tisch. Hintergrund ist die angebliche Zusage der FIFA, wonach etwas Vergleichbares wie der inzwischen verworfene WM-Investorenplan von Präsident Gianni Infantino nie mehr auf den Tisch kommen werde. Diese Zusage hatte die UEFA verlangt.
Wie der Guardian am Mittwoch berichtete, habe die UEFA inzwischen "konkrete Garantien" der FIFA dafür erhalten. Nach SID-Informationen könnte der europäische Kontinentalverband seine Drohung daher zeitnah zurücknehmen. Auf Anfrage wollte sich die UEFA zum aktuellen Zeitpunkt nicht dazu äußern.
Der europäische Verband fordert dennoch nach wie vor Infantinos Rückzug. Über weitere Schritte will die UEFA am Donnerstag beraten. Dann treffen sich die 55 nationalen Verbandsbosse um DFB-Präsident Bernd Neuendorf und das Exekutivkomitee um Hans-Joachim Watzke rund um die Auslosung zur Champions League in Monaco.
Die U20-WM der Frauen (ab. 5 September), die als erstes Turnier von einem UEFA-Boykott betroffen wäre, dürfte wie geplant stattfinden. Die Vorbereitungen verliefen "planmäßig", teilte der polnische Verband als Gastgeber am Mittwoch auf SID-Anfrage mit: "Zum jetzigen Zeitpunkt" gebe es "keinerlei Informationen über einen möglichen Rückzug eines der teilnehmenden Teams vom Turnier".
Infantino, der bislang der einzige erklärte Kandidat für die Wahl im März 2027 ist, steht seit der überraschenden Vorstellung des Investorenplans massiv in der Kritik. Nach dem Rückzug des Plans hatte die UEFA mitgeteilt, dass sie ihre Bedingungen für eine Rückkehr zu FIFA-Wettbewerben klar formuliert habe: Demnach müsse sichergestellt werden, "dass derartige Versuche, den Fußball auf diese Weise zu entstellen, niemals wieder unternommen werden", hieß es Anfang August.
Beim Rückzug ihres Investorenvorhabens hatte die FIFA zunächst keine Zusicherung gegeben, dass ein ähnlicher Plan künftig nicht wieder verfolgt werde. Laut Guardian sei dies in Form eines "privaten Schreibens" an die UEFA nun nachgeholt worden.
E.Krawczyk--GL