Linke kritisiert Frühstartrente: "Kinder brauchen keine Casino-Rente"
Die Linke hat vor dem Kabinettsbeschluss die von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) geplante Frühstartrente kritisiert. Klingbeil wolle "Kinder an den Kapitalmarkt gewöhnen und verkauft das als große Rentenreform", sagte Linken-Bundesgeschäftsführer Janis Ehling am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. "Kinder brauchen aber keine Casino-Rente, sondern die Gewissheit, dass sie nach einem langen Arbeitsleben einmal eine vernünftige gesetzliche Rente bekommen."
Das Bundeskabinett will die Frühstartrente am Vormittag beschließen. Diese soll Kinder ab sechs Jahren an die kapitalgedeckte Altersvorsorge heranführen. So zahlt der Staat bis zum 18. Geburtstag eines Kindes monatlich zehn Euro in ein zertifiziertes Vorsorgeprodukt ein. Dieser Betrag kann beispielsweise von Eltern oder Großeltern durch freiwillige Einzahlungen von bis zu 6840 Euro pro Jahr ergänzt werden.
"Zehn Euro im Monat werden Altersarmut nicht verhindern", sagte Ehling AFP dazu. Wer jedes Jahr tausende Euro zusätzlich einzahlen kann, bekomme noch eine steuerliche Förderung obendrauf. "Wer jeden Monat schauen muss, wie Miete, Strom und Lebensmittel bezahlt werden, hat davon herzlich wenig. So wird soziale Ungleichheit nicht bekämpft, sondern bis ins Rentenalter verlängert."
"Statt Kindern beizubringen, dass ihre Rente von den Launen der Finanzmärkte abhängt, sollten wir endlich die gesetzliche Rente stark machen", forderte der Linken-Politiker. Notwendig sei "eine solidarische Erwerbstätigenversicherung", in die alle einzahlen, auch Abgeordnete, Beamte und Selbstständige. Ehling betonte: "Das wäre ein echter Schritt gegen Altersarmut." Die Frühstartrente sei dagegen "vor allem ein Frühstart für die Finanzbranche".
Y.Borowski--GL