Social-Media-Sucht: Tiktok wendet Prozess in USA durch millionenschweren Vergleich ab
Die Videoplattform Tiktok hat mit einem Vergleich einen für Montag angesetzten Prozess im US-Bundesstaat Alabama wegen mutmaßlich mangelhaften Schutzes Minderjähriger vor Social-Media-Sucht abgewendet. Wie Generalstaatsanwalt Steve Marshall am Freitag (Ortszeit) mitteilte, soll das Unternehmen im Rahmen der Einigung mindestens 100 Millionen Dollar (umgerechnet 88 Millionen Euro) zahlen und die tägliche Nutzungszeit für junge Nutzer auf zwei Stunden begrenzen.
Generalstaatsanwalt Steve Marshall bezeichnete die Einigung als "großartigen Tag für die Eltern in Alabama". "Heute Abend können sie beruhigter sein, da sie wissen, dass wirksame Schutzmaßnahmen bestehen, um ihre Kinder vor den Gefahren einer Social-Media-Sucht zu bewahren", sagte er weiter.
Tiktok zeigte sich ebenfalls zufrieden über die Einigung. "Für TikTok war es schon immer Priorität, einen sicheren und positiven Raum zu schaffen", teilte ein Unternehmenssprecher der Nachrichtenagentur AFP mit. Der Konzern werde "unsere bewährten Sicherheitsfunktionen zum Schutz von Kindern kontinuierlich weiterentwickeln".
Die Mindestsumme muss binnen 45 Tagen gezahlt werden. Unter bestimmten Bedingungen könne sie auf bis zu 300 Millionen Dollar (umgerechnet 260 Millionen Euro) heraufgesetzt werden, hieß es weiter.
Der Vergleich beendet das Verfahren drei Tage vor dem geplanten Prozessbeginn in Alabamas Hauptstadt Montgomery, zu einem Verfahren kommt es damit nicht mehr. Klagen von mehr als einem Dutzend weiterer US-Bundesstaaten gegen Tiktok bleiben davon unberührt, darunter in Kalifornien und New York.
Der Bundesstaat Alabama hatte Tiktok und dessen chinesische Muttergesellschaft Bytedance im April 2025 verklagt. Die Video-App verführe junge Nutzer ähnlich wie "Spielautomaten", hieß es in der Klage. Ermittler, die sich als 13- bis 15-Jährige registrierten, bekamen demnach unter anderem Videos über Suizide, Selbstverletzungen, Essstörungen sowie Alkohol und Sex angezeigt.
Der Bundesstaat warf Tiktok zudem vor, Eltern über Schutzfunktionen für Minderjährige getäuscht zu haben. Tiktok hatte die Vorwürfe zurückgewiesen und sich auf ein US-Bundesgesetz berufen, das Online-Plattformen von einer Haftung für von Nutzern veröffentlichte Inhalte entbindet.
In diesem Jahr hatten in den USA bereits mehrere Prozesse gegen die Instagram- und Facebook-Mutter Meta sowie die Videoplattform Youtube von Google stattgefunden. Im August hatte sich Meta bereit erklärt, bis zu 18 Milliarden Dollar zu bezahlen und die tägliche Nutzungszeit zu begrenzen, um einer umfassenden Klage mehrerer Bundesstaaten zu entgehen.
Y.Slowik--GL